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Kein Zweifel, mit ihrem von Dan Swift produzierten zweiten Album, dem ersten für ihre neue Plattenfirma Labels / Mute, sind Art Brut erwachsen geworden. Doch keine Angst, nur ein bisschen.
Als ausgesprochen schlagfertiger und im Grunde ziemlich unwahrscheinlicher Anführer der neuen Britpop-Welle ist der 27-jährige Eddie Argos an die Schnelllebigkeit der Popmusik gewöhnt. Es war (ein bisschen) kompliziert für die Band, die Wohnküchendrama und französische Philosophie kombiniert, dort anzukommen, wo sie sich jetzt befindet (wobei „dort“ an internationalen Superstar-Status grenzt) – von ihren einfachen Anfängen als Speerspitze der Londoner New Cross-Szene, Klasse 2004. Und inzwischen kennen die meisten Musikfans Eddie Argos, ehemaliger Briefträger, lebenslanger Träumer, gelegentlicher Indie-Prophet, dessen einzig wahrer Ehrgeiz im Leben darin bestand, eines Tages bei Top Of The Pops aufzutreten.
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Ein neuer Wind weht durch die Berliner Instrumentalmusikszene. Es gibt viele Bands, an die man sich gewöhnen muss und nur wenige, die dir auf der Stelle das Herz öffnen und dich nicht mehr loslassen. Ter Haar schaffen dies mit überzeugender Leichtigkeit. Unabhängig von Definitionen brennen diese drei jungen Berliner für den Moment, um ihr Publikum binnen Sekunden mit fortzureißen. Vertrackte Songstrukturen, perfekte Drumbreaks und treibende Loops erfinden und zerstören neue Landschaften, mit Druck und Nachdruck. Live wie auf Platte öffnen sich durch das Zusammenspiel von Bass, Gitarre und Schlagzeug Räume voller Bewegung und Wärme, die jeder für sich selbst entdecken darf. Sich drehen, ohne sich verdrehen zu lassen, sich finden, ohne sich erfinden zu müssen, sich fallen lassen, ohne fallen gelassen zu werden. Musik die für sich spricht und deshalb ohne Worte auskommt. Ter Haar - alles richtig gemacht.
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Ich sah neulich einen Dokumentarfilm über Kanalarbeiter, und einer von ihnen erzählte, dass sie Neulingen an ihrem ersten Arbeitstag immer einen Schubs geben, damit sie einmal richtig in der Jauche landen. "Damit die das gleich hinter sich haben", sagte er zufrieden, und ich fand, der Mann hatte recht damit.
Wir von Element of Crime haben es, wenn auch ohne Absicht, mit TOMTE ganz genauso gemacht, als wir sie 2002 in Kiel als Vorgruppe mit den Worten "Viel Glück, Jungs" auf die Bühne schubsten. Sie bekamen gleich die ganze Packung, "aufhören!", "haut ab!", "buh", "wer seid ihr denn?!", usw., das volle Programm. Danach wurden sie die ganze Tournee hindurch mit jedem Gig besser, es war, als sähe man der mehrjährigen Entwicklung einer ohnehin schon genialen Band im Zeitraffer zu, und am Ende hatten wir und das Publikum die Münder offen, nicht aber mehr die Jungs von TOMTE, wenn sie von der Bühne kamen. Unsere traditionell vorgruppenfeindliche Crew las ihnen mittlerweile jeden Wunsch von den Augen ab und der Backliner stimmte ihre Gitarren vorm Auftritt öfter durch als unsere. Nicht daß wir froh gewesen wären, als es vobei war, aber etwas beängstigend war es schon. Direkt vor unseren Augen entstand im Eiltempo eine Supergroup der deutschen Rockmusik!
Und dann kamen ihre nächste CD "Hinter all diesen Fenstern" und der Durchmarsch des Grand-Hotel-Van-Cleef-Labels und ich durfte lernen, was all die Ratschläge, die ich ihnen in Alter-Sack-Manier immer gern und völlig ungefragt erteilt hatte ("Macht bloß kein eigenes Label!", "Bleibt bloß zu dritt"), wert waren, nämlich nichts! Sie machten alles ganz anders und alles richtig. Und verkauften Platten wie geschnitten Brot. Und alle haben sich gefreut, denn es ist schön, wenn mal die Guten gewinnen.
Und wie man bei "BUCHSTABEN ÜBER DER STADT" sehen kann, machen sie schon wieder und immer noch alles richtig, wenn nicht gar noch viel richtiger, wenn das nur ginge, und hauen uns jedenfalls neue Lieder um die Ohren, die die meisten von uns, seien wir ehrlich, verdammt gerne selber geschrieben hätten.
Aber das wissen sie natürlich. Und singen: "So soll es sein und so war es erdacht".
[Text: Sven Regener]
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Die
Jeans-Team-Leuchtreklame prangt jetzt an einem blaugestrichenen Scheunentor.
Sieht nach Landpartie aus. Ist es auch. Das bisschen Equipment holpert auf
einem Handwagen übern Feldweg. Es ist, als hätten sie nur auf den richtigen
Zeitpunkt gewartet. In für diese Band wahnsinnig kurzer Zeit haben sie ihr
drittes und gleichzeitig bisher bestes Album aufgenommen: Kopf Auf. Das
Titelstück ist in seiner Selbstverständlichkeit das passendste Beispiel für die
bisher eher unbekannte Seite des Trios: Als hätten sie nie etwas anderes
gemacht, singen sie Songs über Liebe, Befreiung, Aufbruch, Angst, innere
Revolution, Träume und die Kunst des Scheißens. Immer ehrlich, nie peinlich und
vor allem: immer poppig (im besten Sinne!). Scheinbar leichtfüßig und
selbstverständlich lassen sie die fast symphonische Komplexität des
Vorgängeralbums "Musik von oben" hinter sich und stoßen zugleich 1000
neue Türen auf: "Kopf Auf" vereint Gitarre, Bass, Schlagzeug und mit
Jeans-Team-typischem Elektropop. Hinter- und vordergründiger Humor, Aggression
und lockere Coolness verbinden sich mit ernsthaften, wunderbaren Texten, die in
ihrer Einfachheit alles auf den Punkt bringen.
Text:
Powerline
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SIR SIMON
"BATTLE! - VÖ: 04.04.08
Verliert man ernsthaft den Boden unter den Füßen, so bietet sich der Rückzug als praktisch adäquate Lösung an. Wer sich einigelt vermeidet weitere Probleme, muss sich nicht rechtfertigen, kann auf weise Ratschläge verzichten, und, was das wichtigste ist, einen eigenen Umgang mit den Dingen finden. Zurückgezogenheit und Freiheit sind bekanntlich oftmals ein- und dasselbe. So in etwa sei holzschnittartig die Ausgangsposition umrissen, in der Simon Frontzek Ende 2004 anfing, an einer Platte zu arbeiten. Im Hinterhof passierte recht wenig und das Erdgeschoss der Berliner Mietskaserne war auch um 3 Uhr nachts noch hell erleuchtet. Hinter den Vorhängen ließ der bebrillte Typ hier allmählich etwas entstehen, das in erster Linie nicht nach außen konzipiert und damit so vollkommen schön und zweckfrei war. Musik um der Musik willen! Einfach mal machen, der Rest wird sich schon wieder zurecht laufen.
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